Diät bei Erkrankungen von Leber und Galle

 

Die Leber ist die chemische Fabrik des menschlichen Körpers und gleichzeitig seine Kläranlage. Die Leber werkt im Verborgenen, denn sie tut nicht weh, auch nicht bei Überbeanspruchung. Normalerweise funktioniert sie klaglos, wird sie jedoch überbelastet, zum Beispiel durch zuviel Alkohol oder andere Gifte oder von Krankheiten befallen, so kann sie ihrer umfangreichen Funktion der Entgiftung des Körpers nicht oder nur mehr teilweise nachkommen. Die Galle im Sinn des Wortes hat zweierlei Bedeutungen: Einmal die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit, die als Verdauungssaft im Darm Verwendung findet und zum anderen die als Galle im Volksmund bezeichnete Gallenblase. Die Gallenblase kann ebenfalls erkranken. Schmerzhafte Entzündungen, Gallensteine oder Veränderungen der Gallenwände können die Gallenblase, die zur Speicherung der Gallenflüssigkeit in Ruhephasen dient, funktionsuntüchtig machen.

Leicht verständlich, dass falsche Ernährung diesen beiden Organen, die ja unmittelbar mit der Verdauung zu tun haben, arg zusetzen kann. Im Krankheitsfall kann eine richtige Leber- oder Gallendiät diese Organe entlasten und möglicherweise sogar zur Heilung beitragen.

Diese Info soll Ernährungstipps für Leber- und Gallenkranke geben und Möglichkeiten zur Unterstützung einer ärztlichen Behandlung aufzeigen. Eines soll diese Info aber nicht: Den notwendigen Gang zum Arzt ersetzen.

 

Die Leber

 

Aus zwei Lappen zusammengesetzt ist sie die größte innere Drüse des Menschen. Sie ist beim Erwachsenen ca. 1½ Kilo schwer und wird von 1½ Liter Blut pro Minute durchblutet.

 

Die Bezeichnung »chemische Fabrik des Körpers« trägt sie zu Recht: Aus der langen Liste ihrer Leistungen seien nur einige herausgegriffen: Sie baut Aminosäuren auf und ab, aus diesen Aminosäuren wird in weiterer Folge Ei-weiß für die Muskeln. In ihr entstehen die Gallenflüssigkeit für die Verdauung und Stoffe, die an der körpereigenen Abwehr gegen Krankheitserreger beteiligt sind. Deshalb ist die Anfälligkeit für Krankheiten beim Leberkranken wesentlich größer als beim Lebergesunden.

 

Fast alle Nahrungsstoffe, die in den Darm kommen, wandern durch die Pfortader in die Leber. Dort werden die bereits im Darm in ihre molekularen Einzelteile zerlegten Nahrungsbestandteile entweder in den Stoffwechsel des gesamten Körpers eingeschleust oder chemisch umgewandelt, unschädlich gemacht und ausgeschieden. Die mengenmäßig wichtigsten Nahrungsbestandteile sind Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Kohlenhydrate werden im Darm in ihre einzelnen Zuckerbestandteile zerlegt, von der Leber aufgenommen und dort teilweise als Glykogen gespeichert. Glykogen ist die "Energiefeuerwehr" des Körpers, denn bei Stresssituationen deckt Glykogen aus der Leber den Energiespitzenbedarf ab.

Eiweiß aus der Nahrung muss vom Organismus zuerst in seine Bausteine, die Aminosäuren zerlegt werden und zum passenden Eiweiß für den menschlichen Körper »umgebaut« werden. Eiweiß ist ein wichtiger Bestandteil von Muskeln, Haut und ganz allgemein der Zellwände. Bei der Verdauung von Eiweiß entstehen im Körper giftige Stoffe wie Ammoniak, den die Leber abfängt und entgiftet.

 

Im komplizierten Ablauf der Fettverdauung baut die Leber die aus dem Nahrungsfett angelieferten Fettsäuren so um, dass das Fett als Blutfett vom Körper zur Energiegewinnung genutzt werden kann oder schließlich als Depot-fett auf das Konto der Energiereserven gelegt wird.

 

Ganz wichtig ist die Speicherung der Vitamine A, D, E, K und B12

Erste Geige spielt die Leber beim Auf- und Abbau von Cholesterin, sie bestimmt also die Höhe des Cholesterinspiegels mit. Aus Cholesterin werden Gallenflüssigkeit und verschiedene Hormone gebildet. Neben der Entgiftung der im Körper selbst entstehenden unverträglichen oder giftigen Stoffe muss die Leber auch mit den von außen zu-geführten Giften fertig werden. Allen voran steht der Alkohol, Umweltgifte spielen eine gewisse Rolle, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden und schließlich werden auch zahlreiche Arzneimittel in der Leber umgewandelt, so dass sie nach getaner Arbeit ausgeschieden werden können.


 Die Galle

 

Als birnenförmiger, etwa 8 bis 12 cm langer und 4 bis 5 cm breiter, dünnwandiger Sack hängt die Gallenblase als Anhängsel am Gallengang, der die Leber mit dem Zwölffingerdarm verbindet. Die Gallenblase dient als Speicherorgan für die Gallenflüssigkeit während der Verdauungsruhe. Denn Gallenflüssigkeit wird von der Leber laufend produziert, vom Körper jedoch nur für die Verdauung der Nahrung in größeren Mengen gebraucht. Die Gallenflüssigkeit fließt durch den Gallengang in den Zwölffingerdarm, wo mit ihrer Hilfe Nahrungsfett und andere Stoffe in solche Bestandteile zerlegt werden, die durch die Darmwand hindurchtreten, vom Blut aufgenommen und zur Leber transportiert werden können.

 

Erkrankungen von Leber und Galle  Gelbsucht, Hepatitis A, B

 

Sammelbezeichnung für verschiedene Arten der Leberentzündung, die meist durch Viren verursacht wird. Die Übertragung kann in Gebieten mit mangelnder Hygiene mit der Nahrung oder dem Trinkwasser erfolgen. Infizierte Injektionsspritzen und Blutkonserven waren früher ebenfalls häufige Ansteckungsmöglichkeiten. Hepatitis A braucht ca. 30 Tage bis die Krankheit voll entwickelt ist und heilt meist ohne medikamentöse Behandlung wieder aus. Die Leber bleibt jedoch längere Zeit geschwächt. Alkohol, Fett, Süßigkeiten, paniertes Fleisch und geräucherter Fisch werden lange nicht vertragen.

Hepatitis B ist viel schlimmer als Hepatitis A, weil sie in eine langdauernde Verlustform übergehen kann. In seltenen Fällen kann sie zum Leberzerfall (Leberkoma) und zum Tod führen. Bei der Hepatitis B dauert es 2 bis 3 Monate ab der Ansteckung, bis die Krankheit voll entwickelt ist und kann oft Jahre hindurch als chronische Hepatitis fortbestehen. Besonders schlimm ist die chronisch aggressive Hepatitis, die in Leberzirrhose übergehen kann.

 

Leberzirrhose

 

Die kompliziert aufgebauten Leberzellen sterben allmählich ab, an ihre Stelle tritt funktionsloses Bindegewebe. Durch ständige Einwirkung von Giften, wie Alkohol oder langdauernde Entzündung der Gallenwege verursacht, kommt es durch zunehmende Verwachsung der Leber zur Verengung der Blutgefäße und als Folge zum Anstieg des Blutdrucks in den Gefäßen der Leber. Das Blut sucht sich Umgehungswege der Leber z. B. durch die Blutgefäße der Speiseröhre und des oberen Darmabschnittes. Weil sie dafür jedoch schlecht geeignet sind, platzen diese prallgefüllten Blutgefäße häufig und tödliche Blutungen können die Folge sein. Im Endstadium kann nicht mehr genügend Nahrung aus dem Darm aufgenommen werden, es kommt zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum.

Allmählich stellt die Leber ihren Betrieb ein, der Körper wird langsam vergiftet.

 

Fettleber

 

Alkoholmissbrauch, zu energiereiche Nahrung oder beides zusammen verursachen die Fettleber. Bis zur Hälfte des gesamten Lebergewichtes kann der Fettanteil ausmachen. Bei fortgesetztem Alkoholmissbrauch entsteht meist nach längerer Zeit die Leberzirrhose.

 

 Gallensteine

 

Durch Kristallisation von in der Gallenflüssigkeit gelösten Gallensalzen und Cholesterin können sich in der Gallenblase Gallensteine bilden. Besonders, wenn sich die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit ändert, etwa durch cholesterinreiche Nahrung, durch bestimmte Hormone, während der Schwangerschaft oder im Klimakterium, kommt es häufig zur Bildung von Steinen in der Gallenblase. Mehr als die Hälfte aller Frauen um die 70 haben Gallensteine. Sie tun so lang nicht weh und verursachen keine wesentlichen Beschwerden, solange sie nicht durch ein Zusammenziehen der Gallenblase in den Hals der Blase oder in den Gallengang getrieben werden und sich dort verklemmen. Ist der Gallengang ganz verschlossen, treten heftige Schmerzen auf, die Gallenflüssigkeit staut sich in die Leber zurück. Die Folge davon sind Verdauungsstörungen, Gerinnungsstörungen des Blutes und gelbsucht-ähnliche Zustände.

 

 Entzündung der Gallenblase

 

Bakterien können zu Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege führen. Dauert dieser Zustand länger, kann die Leber durch Rückstau der Gallenflüssigkeit geschädigt werden. In diesem Fall helfen nur Medikamente, bei länger dauernder Entzündung oder verklemmten Steinen oftmals nur die Operation.

 


Operation der Gallenblase

 

Wird die Gallenblase durch Operation entfernt, so kann man recht gut weiterleben, wenn man beachtet, dass das Verdauungssystem natürlich nur in beschränktem Ausmaß Gallenflüssigkeit als Verdauungssaft zur Verfügung hat. Deshalb oberste Regel: Leichte Vollkost und das Essen in kleinen Portionen über den Tag verteilt einnehmen.

 

Ernährungstipps: Leber

 

Waren sich bis vor einigen Jahren die Mediziner darin einig, dass fett- und eiweißarme, sogenannte Leberschonkost bei allen Erkrankungen der Leber angebracht sei, so weiß man heute, dass bei der Mehrzahl der Lebererkrankungen eine leichte Vollkost, die alle Nahrungsbestandteile enthält, besser ist. Bei schweren Lebererkrankungen, wie Leberzirrhose, konnte sogar durch eine relativ fettreiche Diät eine Verbesserung der Leberwerte und des Allgemeinbefindens erreicht werden. Es darf jedoch nur eine vom Arzt festgelegte Diät angewendet werden. Auf alle Fälle verboten ist Alkohol, da dieser für die Leber Gift ist. Leichte Vollkost ist nicht nur aus Gründen der Verträglichkeit zu empfehlen, leichte Vollkost ist auch schmackhaft und enthält ausreichend Kalorien. Einseitige, wenig schmackhafte "Leberschondiäten" nehmen die Lebensfreude, dadurch wird die Lebensqualität weiter verringert. Außerdem besteht die Gefahr, zuwenig Vitamine und Kalorien zuzuführen, so dass die für Leberkranke oftmals typische Abmagerung weiter verstärkt wird.

 

Leichte Vollkost

Zum Unterschied von der Normalkost werden bei der leichten Vollkost nur Lebensmittel verwendet, die beim Durchschnitt der Bevölkerung nur wenig Unverträglichkeiten verursachen. Man muss jedoch bedenken, dass Leberkranke besonders ängstlich »nach innen hören« und leichte Blähungen oder ein Druckgefühl im Magen, das auch der Lebergesunde oft nach dem Essen spürt, bereits als Unverträglichkeit empfinden.

 

Nahrungsmittel, die reich an Ballaststoffen sind, blähen auch zumeist stark. Da die Leber auch den Gasaustausch aus dem Darm bewerkstelligen muss, wird dies von Leberkranken als besonders unangenehm empfunden.

Als Faustregel für die Zusammensetzung einer leichten Vollkost für Leberkrankheit gilt deshalb:

 

10% Eiweiß, und zwar vor allem aus Pflanzen sowie aus Milch und Milchprodukten.

35% Fett, vor allem hochwertige Fette wie Pflanzenöle, Fische,

55% Kohlenhydrate, aus Kartoffeln, Brot, Reis, Müsli, keine »leeren Kalorien« wie Zucker oder Gebäck.

  

Selbstverständlich dürfen die Speisen nicht zu stark gewürzt, gebraten oder gegrillt sein. Ein wenig Geschmack schadet aber nicht.

 

Wichtig ist auch ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen: Fruchtsäfte und Obst eignen sich dazu besonders gut. Manchmal wird es notwendig sein, zusätzliche Vitamine zu sich zu nehmen. Vitaminpräparate gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen in Apotheken.

Bei alkoholischer oder ernährungsbedingter Fettleber müssen an erster Stelle Maßnahmen zur Gewichtsreduktion stehen. Mit dem Übergewicht- verliert sich auch meistens die Fettleber. (Siehe: Ernährungstipps bei Übergewicht)

 

Häufigkeit von Lebensmittel-Unverträglichkeiten

 

(Lesebeispiel: Bei durchschnittlich 30% der Bevölkerung wurde bei Hülsenfrüchten Unverträglichkeit wie starke Blähungen, Durchfall, Schmerzen festgestellt).

 

Häufigkeit von Lebensmittelunverträglichkeiten in Prozent 

Hülsenfrüchte 30 hartgekochte Eier 15

Gurkensalat 29 frisches Brot 14

frittierte Speisen 22 Bohnenkaffee 12

Kraut 20 Geselchtes 11

Kohlensäurehaltige Getränke 20 Stein- und Kernobst 7

Kohlensäurehaltige Getränke 18 Nüsse 7

fette Speisen 17 Paniertes 7

Paprikagemüse 17 Pilze 6

Sauerkraut 16 Lauch 6

Rotkraut 16 Birnen 6

Zwiebeln 16 Vollkornbrot 5

süße und fette Backwaren 16 schwarzer Tee 3

 

Auszug aus: Kaspar, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik, Verlag Urban und Schwarzenberg.

 

Ernährungstipps: Galle

 

Bei Erkrankungen der Galle ist wie auch bei Lebererkrankungen die leichte Vollkost die beste Form der Ernährung.

Zur Verhinderung von Gallensteinen soll sich ein höherer Ballaststoffanteil in der Nahrung günstig auswirken. Denn Ballaststoffe, wie sie in Gemüse, in Weizen- oder Haferkleie und im Vollkornbrot reichlich vorhanden sind, senken den Cholesterinspiegel des Blutes und damit auch die Gefahr der Bildung von Gallensteinen. Denn Gallensteine bestehen sehr häufig aus Cholesterin.

Beim akuten Gallenanfall, wenn sich zum Beispiel ein Stein im Gallengang verklemmt hat oder die Gallenblase heftig entzündet ist, verträgt der Patient meist auch die leichte Vollkost nicht. In diesen Fällen muss man einige Tage lang versuchen, mit Teefasten, Haferschleim, Karottenbrei über die Runden zu kommen. Recht gut eignet sich dafür Babynahrung in Gläsern.

Dauert dieser Zustand länger an, muss neben ärztlicher Behandlung versucht werden, mit sogenannter »Astronautennahrung«, einer ausgewogenen Formeldiät, dem Patienten die wichtigsten Nährstoffe und lebens-notwendige Energie zuzuführen, ohne seinen Verdauungsapparat zu strapazieren.

Diese hochkalorische Formeldiät bekommt man in verschiedenen Geschmacksrichtungen in Apotheken.

 

 Abschließend noch ein Tipp:

 

Personen mit Leber- und Gallenkrankheiten wurden und werden dazu erzogen, ganz besonders vorsichtig, ja übervorsichtig beim Essen zu sein. Es steigt die Angst, »etwas Falsches zu essen«, so dass über einen Reflex des Unterbewusstseins manches nicht vertragen wird, obwohl Leber oder Galle nichts dagegen hätten. Deshalb: etwas phantasie- und abwechslungsreichere Speisen bringen mehr Lebensfreude.

 

Zurück Text: Mag. pharm. Kurt Vymazal

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